Die Geschichte des Marstalls Clemenswerth

1720: Erster Aufenthalt des Kurfürsten Clemens August (1700 - 1761) in Sögel.

1736: Erlass des Kurfüsten zum Bau des Schlosses.

1747: Fertigstellung und Einweihung des Schlosses. Zur Schlossanlage mit zentralem Hauptgebäude und den acht Pavillons, einem so genannten "Jagdstern", gehört auch der hufeisenförmige Marstall. Das Gebäude auf der nördlichen Seite der Allee diente der Unterbringung von bis zu 100 Pferden.

1803: Nach dem Tode des Kurfürsten geht Clemenswerth in den Besitz der Fürstbischöfe von Münster über, wird aber nicht mehr genutzt und verwahrlost.

1815: Der in herzöglichen Diensten stehende Amtmann und Richter Paulus Modestus Schücking und seine Frau Catharina Busch (1791 - 1831), zu dieser Zeit eine bekannte Dichterin und Freundin der Annette von Droste Hülshoff (1797 - 1848), übernehmen den Marstall als Dienstwohnung.
Levin Schücking (1814 - 1883), ältester Sohn des Paares, wuchs bis zum 15. Lebensjahr im Marstall auf. Er galt später als einer der bekanntesten Schriftsteller Deutschlands, brachte etwa 200 Romane, Novellen, Dramen und wissenschaftliche Werke heraus und wurde zweimal mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet.

1834: Nach dem Wegzug der Familie Schücking aus Sögel wird der Marstall etwa fünfizig Jahre lang Heimat für eine private katholische Knabenschule.

1932: Bis 1935 beherbergte das Haus den freiwilligen Arbeitsdienst, 1935 - 1940 den Reichsarbeitsdienst. Ab 1940 war der Marstall Unterkunft für polnische Kriegsgefangene. Nach Kriegsende waren die Schloßalleen mit Zelten für kranke polnische und russische Kriegsgefangene und überlebende KZ-Häftlinge gefüllt. Das Pflegepersonal wohnte im Marstall und in der Hedwigschule.

1946: Der Herzog von Arenberg erteilt Pfarrer Wolter und dem Bischof von Osnabrück die Genehmigung, den Marstall als Bildungsstätte nutzen zu dürfen. Im linken Flügel wurden Wohnungen für den Revierförster Altmeppen und Forstwart Suhl eingerichtet. Nach einem Umbau, kräftig gefördert auch von der Gemeinde Sögel, konnte der Bischof am 15. August 1948 das neue Bildungshaus und die Kapelle einweihen. Die ersten Gäste schliefen noch auf Strohsäcken.
Der Marstall entwickelte sich schnell als weltoffene Bildungs- und Freizeitstätte. Es kamen Schulklassen und Jugendliche aus den Niederlanden, Frankreich, junge Brasilianer, indische und koreanische Krankenschwesterschülerinnen. Sparsames Wirtschaften stand obenan: dreißig Hühner sorgten für Frühstückseier, und alle zwei Monate wurden zwei Schweine geschlachtet, das Gemüse selber angebaut.
In die Ausstattung des Hauses wurden erhebliche Mittel investiert, die aus Spenden, Mitteln des Bundes, des Landes, der emsländischen Landkreise und des Generalvikariates kamen. Bis 1963 zählte man im Jahr schon durchschnittlich 2.000 Gäste.

1968 konnte das Bistum den Marstall den arenbergischen Besitzern abkaufen. 1969 wurden die bis dahin als Stallungen dienenden Wagenremisen abgerissen. Es entstand dort ein neuer Flügel mit 19 Schlafräumen, Bibliothek, Medienraum, Gruppenraum und ein großer Saal für 80 bis 100 Personen. Nähzimmer, einen Werkraum und ein gemütliches Kaminzimmer brachte man im Keller unter. Die Einweihung des neuen Flügels und der ebenfalls neugestalteten Kapelle nahm Bischof Wittler im November 1971 vor.

1979 wurde der Marstall rollstuhlgerecht gestaltet und die Fassaden denkmalgerecht restauriert. Inzwischen verzeichnet man bei der Belegung des Hauses jährlich über 20.000 Teilnehmertage. Über 10.000 Gäste besuchen jährlich den Marstall. Daneben finden zahlreiche kulturelle Veranstaltungen und Kunstausstellungen statt, wie die jährlichen "Hümmlinger Kunstwochen". Es gibt internationale Jugendbegegnungen, religiöse Wochen, Veranstaltungen zu aktuellen politischen Problemen, musische Angebote, Bildungsurlaub, Behindertenfreizeiten, Hauptschulabschlusskurse, Seminare für Soldaten und Zivildienstleistende, Schulgemeinschaftstage, Jugendgottesdienste und vieles andere mehr.


Das Angebot des Marstalls orientiert sich an der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen und soll sich dem gesellschaftlichen Wandel anpassen, gelegentlich auch gegensteuern. 1984 übernahm die Jugendbildungsstätte Marstall Clemenswerth die Trägerschaft des Projektes "Arbeit und Lernen", 1986 kam eine Tischlerwerkstatt hinzu. In der Bildungsstätte sind untergebracht das Dekanatsjugendbüro, ein Büro der Kath. Landjugendbewegung, seit 1995 befindet sich hier auch die Kreissportschule des Emslands und seit 1998 ein Büro der Deutschen Jugendkraft (DJK). Bis 1996 hatte das Deutsch-Niederländische Jugendbüro seinen Sitz im Marstall.